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Mehr als nur ein Flohmarkt

Freitag 21.05.2010

region.schauplatz. BaZ | Freitag, 21. Mai 2010 Sonntags gibt es auf der Erlenmatt alles – von indischen Spezialitäten bis zum Velo

KAREN N. GERIG Auf dem Flohmarkt am Riehenring werden jeden Sonntag die unterschiedlichsten Waren feilgeboten. Der regelmässige Termin hat sich zum festen Quartiertreffpunkt entwickelt. Türkische Musik schallt aus einem Radio. Ganz zuoberst auf einem Stapel liegt es und hüllt die umliegenden Stände auf dem Sonntagsmarkt auf der Erlenmatt am Riehenring in eine südländische Atmosphäre. Gegenüber verkauft ein Händler Orientteppiche, daneben wird ein Faksimile des «Abendmahls» von Leonardo da Vinci angeboten. Zwei Stände weiter stehen mehrere leicht rostige Velos in Reih und Glied, in der Bücherkiste davor tri t man auf Werke von Astrid Lindgren und Tolstoi. Auf einer Decke liegen Hunderte Elektroteile ausgebreitet, auf einer anderen eine ähnliche Anzahl an Pedalen. Wühlkisten voller ausrangierter Handys fi ndet man fast überall. Wer nach Preziosen stöbert, wird hier wohl weniger schnell fündig als auf anderen Flohmärkten. Multikulturell ist das Wort, mit dem das hiesige Angebot am ehesten zu umschreiben ist. «Ein Balkanmarkt», nennt es eine Marktfahrerin. Tatsächlich fühlt man sich als Schweizer in der Minderheit auf diesem Platz, schon eher wähnt man sich in den Ferien. Türkisch, Albanisch, Serbisch wird hier gesprochen, viele Afrikaner sind da, weniger Asiaten. An den Essständen gibt es Klöpfer und Bratwurst, indische Topfgerichte und Essen von den Philippinen. Am einzigen Gemüsestand des Marktes kann man Plastikschalen mit Obststücken kaufen. Den Sonntagsmarkt auf der Erlenmatt gibt es seit nunmehr fünf Jahren. Entstanden ist er aus einer Umfrage des Vereins V.i.P., der «Freie Fläche für freie Leute» fordert und sich deshalb zum Ziel gesetzt hat, die mit dem Erlenmattprojekt in Aussicht gestellten Freifl ächen für die Bevölkerung zu ö - nen. Die damals eingereichte Idee eines Marktes stammte von Béa Kiener. «Mir schwebte ein Markt vor wie im Süden. Ein Ort, wo man vom Auto bis zum Käse nahezu alles kaufen kann», sagt sie. Heute obliegt ihr die Organisation des wöchentlichen Flohmarkts, der nur im Winter ein paar Wochen Pause macht. «Das Hauptziel war es, den Platz zu beleben», erinnert sie sich. Dies ist sicherlich geglückt: Es wimmelt von Leuten. JUNG UND ALT. Der Markt ist zu einem Tre punkt für Jung und Alt geworden. «Man muss ja nichts kaufen oder konsumieren », sagt Kiener. Man könne auch einfach beim Rumschlendern die Stimmung geniessen. Allfällig gelangweilter Nachwuchs wird derweil von den Leuten des Kinderprojekts Allwäg unterhalten, die ihre Baracke nicht weit von hier haben und immer mit langen Pinseln und Farbtöpfen aufs Flohmarktareal anreisen, um mit den Kindern den schwarzen Teerboden mit bunten Mustern zu verzieren. Viele Marktfahrer sind ständig hier, bieten ihre Waren unter der Woche, aber auch auf anderen Flohmärkten an. «Die meisten reservieren von Sonntag zu Sonntag», erklärt Kiener. Nur wenige Private kämen sporadisch her, um ihre ausrangierten Sachen aus dem Estrich zu verkaufen. VEREINE. Unter den Dauermietern sind auch einige Vereine zu fi nden, die so ihre Vereinskasse aufbessern oder die Einnahmen an Stiftungen weiterleiten. Darunter ist beispielsweise der Verein Incomindios, ein internationales Komitee für die Indianer Amerikas. Die Mitglieder Elsbeth Vocat und Hanspeter Berger sind fast jeden Sonntag hier, ehrenamtlich, neben der Arbeit. «Man kommt mit so vielen Leuten in Kontakt», sagt Vocat. «Das habe ich sonst nirgends.» Es sei aber nicht nur Vergnügen. «Die Preise der Waren sind hier allgemein schon sehr niedrig, und die Leute ‹märten› sehr gerne. Man muss aufpassen, dass man überhaupt die Standmiete rausschlägt.» Zehn Franken zahlt man pro Standmeter, «dafür ist das Reglement nicht so streng wie etwa auf dem Petersplatz », sagt Berger. Was angeboten und verkauft wird und woher die Waren stammen, kümmert im Endeffekt kaum jemanden – und zuletzt die Käufer. Sie erfreuen sich am Ambiente und geniessen das Flair, das sie kurzzeitig an einen anderen Ort versetzt. Sonntagsmarkt, Erlenmatt. Jeden Sonntag ab 10 bis 16 Uhr. > www.baz.ch/go/sonntagsmarkt

flyer
Download: soma_baz220510_copy3.pdf
Link: www.sonntagsmarkt.ch
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